Freitag, 2. September 2016

[Rezi] "Sizilianische Rache" (Ann Baiano)

erschienen am 15.08.2016
im Goldmann-Verlag
Klappenbroschur, 287 Seiten
14,99 EUR
ISBN: 9783442205134
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Inhalt:

Journalist Luca Santangelo wird an einem heißen Sommermorgen von einem Anruf seines Sohnes Diego aus dem Schlaf gerissen: Dieser hat bei einem nächtlichen Ausflug auf die unbewohnte Insel Mozia nicht nur einen Raubzug durch das örtliche Museum mitbekommen, sondern zu allem Überfluss auch noch die Leiche von Giacomo entdeckt – ausgerechnet Giacomo, der Studienkollege seiner Freundin Giulia, auf den er so eifersüchtig war. Schnell wird er so zum Hauptverdächtigen. Sein Vater – von der Unschuld Diegos überzeugt – beginnt zu ermitteln und stößt auf einige Ungereimtheiten…

Meine Eindrücke:

„Sizilianische Rache“ ist nach „Sizilianisches Blut“ bereits der zweite Krimi aus den Federn von Ann Baiano. Für mich war es der erste – sicher aber nicht der letzte!
Nach einem für mich ein kleines bisschen holprigen Einstieg (ich brauchte einige Seiten, um in den Schreibstil hineinzukommen), hat mich das Buch absolut gefesselt:
Ann Baiano, die selbst vier Jahre in Palermo lebte, versteht es, den Leser auf eine Reise zu entführen und „ganz nebenbei“ allerlei historische Details und eine ordentliche Portion Lokalkolorit zu verpacken. Diesen gab es nicht nur in der Beschreibung der Gegend, sondern auch bei den Spezialitäten, die erwähnt wurden.
Selten schafft es ein Autor, mich beim Lesen nach weiteren Informationen über die angesprochenen Thematiken suchen zu lassen. Neben mir bereits bekannten Informationen gab es viel Neues zu entdecken, was ich so bei einem Krimi nicht erwartet hatte und mich positiv überrascht hat. Man merkt, Baiano ist mit Herzblut dabei!
Auch die Figuren sind sehr gelungen:
Luca, der eigentlich Journalist ist und mit der Ermittlungsarbeit nicht wirklich was zu tun hat, ist ein für mich typischer Sizilianer. Ein wenig aufbrausend, aber sehr sympathisch. Vor allem aber kämpft er für seinen Sohn, auch als dessen Lage aussichtslos erscheint.
Seine (Ex-)Frau Francesca spiegelt für mich das Bild der „leicht“ hysterischen Mamma wieder, die kopflos sinnbefreite Entscheidungen trifft und sich dabei auch noch überlegen fühlt – nicht gerade eine Sympathieträgerin, doch ist ihr Verhalten durchaus nachvollziehbar.
Diese beiden sollten als Beispiel ausreichen, denn auch die anderen Charaktere sind dermaßen authentisch, wie man es nicht oft erlebt.
Dass hier auch gerne mal in typisch italienischer Art geschimpft wird, gefällt mir besonders gut. Für meinen Geschmack dürfte es gerne noch mehr in der schönen Sprache geben.
Besonders fällt beim Lesen die Komplexität auf, in der das Buch aufgebaut ist: Neben dem Raub und der Leiche gibt es immer wieder Rückblenden, deren zeitliche Abstände immer näher in die Gegenwart rücken und die Hintergründe erzählen. Dabei geht es aber nicht nur um das Offensichtliche, sondern auch andere Ereignisse werden thematisiert, ohne fehlplatziert zu wirken.
Doch nicht nur Ann Baiano hat ganze Arbeit geleistet, sondern auch der Goldmann-Verlag:
Schon das düstere Cover, auf dem eine alte Salzmühle in der Nähe von Trapani gezeigt wird, ließ mich neugierig zum Buch greifen. Der Klappbroschur ist außergewöhnlich durchdacht gestaltet und liefert neben einer kleinen Karte weitere Informationen zur Autorin und dem Buch. Auch das sizilianische Wappen, die Trinakia – drei Beine, die um ein Frauengesicht strahlen – ist darin zu finden. Ein netter Hinweis auf die historischen Hintergründe, die hier behandelt werden.

Fazit:

All das macht die „Sizilianische Rache“ zu einem echten Leseerlebnis, das man nicht missen sollte – insbesondere nicht als Italien- oder Sizilienfan!

Mich hat das Buch so sehr gefesselt, dass ich mir direkt den ersten Teil besorgen werde, um die Wartezeit bis zum dritten Band zu überbrücken.
Ein ganz besonderes Dankeschön an Ann Baiano, die die Leserunde bei lovelybooks so toll betreut und natürlich an den Goldmann-Verlag für die Bereitstellung der Leseexemplare!

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